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Rohstoffe aus Reststoffen

Schwandorf – 27.03.2017.

Projektkonsortium testet neuartiges Verfahren zur Umwandlung von organischen Abfällen in hochwertige Rohstoffe. Im Rahmen des vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie mit 1,959 Millionen Euro geförderten Forschungsprojektes wird in Schwandorf eine Anlage zur nachhaltigen Verwertung von kommunalen Klärschlämmen entstehen. Susteen Technologies GmbH liefert dazu ein System, das täglich bis zu 7 Tonnen getrocknete Klärschlamme in speicherfähiges Synthesegas, motorfähiges Bioöl und phosphatreiche Biokohle umwandeln soll.

Falls die Neuordnung der Klärschlammverwertung durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) in den kommenden Jahren die Ausbringung unbehandelter Klärschlämme unterbindet und zur Rückgewinnung von Phosphaten verpflichtet, stehen die Betreiber von Abwasserbehandlungsanlagen vor großen Herausforderungen. Der Zweckverband Thermische Klärschlammverwertung Schwandorf (ZTKS) reagiert frühzeitig und baut in Schwandorf eine Anlage zur Trocknung von Klärschlamm. Hierbei kommt zusätzlich ein weltweit einzigartiges, neues Verfahren zur wirtschaftlichen Nutzbarmachung der Klärschlämme zum Einsatz.

Bei dem Verfahren des sogenannten Thermo-Katalytischen Reformings (TCR®) wird der getrocknete Schlamm in einem speziellen Reaktor unter Wärmeeinwirkung in seine Bestandteile aufgespalten. Dabei entstehen Synthesegas, Bioöl und Biokohle. Das Verfahren ist eine Entwicklung des Fraunhofer-Instituts UMSICHT in Sulzbach-Rosenberg und wird von Susteen Technologies zur Marktreife entwickelt und exklusiv vermarktet. „Wir freuen uns, Teil des Projektes zu sein“, sagt Susteen-Geschäftsführer Thorsten Hornung. „Dieses Projekt schafft für uns optimale Voraussetzungen, unser Verfahren für den Einsatz unter industriellen Bedingungen weiter zu entwickeln. Projektziel ist insbesondere den kontinuierlichen Anlagenbetrieb mit effizienter Strom- und Wärmeerzeugung auf einem Blockheizkraftwerk zu erreichen. Das energetische Potential von Klärschlamm kann damit optimal verfügbar gemacht werden.“

Im Labormaßstab konnten bereits zahlreiche Abfallstoffe erfolgreich getestet werden. Neben Gärresten aus Biogasanlagen, Schlämmen aus der Papierproduktion, Pferde- und Hühnermist gehörte auch Klärschlamm dazu. „Heutzutage wird Klärschlamm zwar teilweise thermisch verwertet und über Dampfturbinen in Strom umgewandelt“, sagt Hornung. „Herkömmliche Verbrennungsanlagen können aber nicht flexibel auf den aktuellen Strombedarf reagieren und erreichen in der Regel geringere Wirkungsgrade.“ Hier ist das TCR®-Verfahren klar im Vorteil: Es wandelt den Klärschlamm in energiereiches Synthesegas und motorfähiges Bioöl um. Diese Rohstoffe sollen im Rahmen des Projekts in einem Dual-Fuel-Blockheizkraftwerk mit bis zu 240 Kilowatt elektrischer Leistung in Strom und Wärme umgesetzt werden. Anpassung und Test des Blockheizkraftwerkes werden von dem Institut für Energietechnik (IfE) an der OTH Amberg-Weiden als Projektpartner betreut.

„Das steigert nicht nur die Flexibilität der Klärschlammverwertung, sondern erhöht aufgrund moderner BHKW-Technologien auch den elektrischen Wirkungsgrad“, so Hornung. Gleichzeitig wird auch eine Vergasung der produzierten Biokohle aus Klärschlamm zur Erzeugung der Prozesswärme für das Verfahren getestet. Der wertvolle Phosphor bleibt in der Biokohle bzw. Asche zurück und kann wieder in den Wirtschaftskreislauf einfließen.

In dem auf 34 Monate angelegten Projekt soll neben technisch-wirtschaftlichen Fragen auch untersucht werden, wie sich die Technologie perspektivisch in ein Gesamtkonzept zur energetischen Klärschlammverwertung Bayerns integrieren lässt.





Über das Institut für Energietechnik (IfE) GmbH an der OTH Amberg-Weiden

Das Institut für Energietechnik (IfE) an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden beschäftigt sich mit einem interdisziplinären Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren mit der angewandten Forschung und Entwicklung in den Schwerpunkten Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung. Aufbauend auf die Erkenntnisse aus der Forschung entwickelt das IfE innovative Energieversorgungskonzepte für Industrie, Gewerbe und Kommunen und begleitet als wissenschaftlicher Partner in Demonstrations- und Pilotprojekten die Umsetzung neuer Technologien in die Praxis.

Dabei kooperiert das IfE eng mit Kompetenzzentrum für Kraft-Wärme-Kopplung der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden (OTH), dessen Forschungsschwerpunkte in den Bereichen Emissionsminderung, Biogene Brennstoffe, KWK-Systemtechnik, Steigerung der Energieeffizienz und neue KWK-Technologien liegen. Das IfE wurde für die Umsetzung innovativer KWK- und Industrieprojekte in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem EON Umweltpreis und dem bayerischen Energiepreis.





Über Susteen Technologies GmbH

Die Susteen Technologies GmbH entwickelt und vermarktet „Clean Technology“. Das Unternehmen ist eine Ausgründung des Fraunhofer-Instituts UMSICHT und sitzt in Sulzbach-Rosenberg.

Susteen hat die Vision, eine neue Generation nachhaltiger Rohstoffplattformen zu schaffen. Damit wird es möglich, Gas, Öl und Kohle aus all jenen kohlenstoffhaltigen Reststoffströmen zu gewinnen, die sich mit anderen Techniken nicht mehr wirtschaftlich verwerten lassen. Auf diese Weise wird der Kohlenstoffkreislauf geschlossen.

Susteen setzt dafür auf das TCR®-Verfahren an dem es von der Fraunhofer-Gesellschaft eine exklusive, weltweite Lizenz erhalten hat. Auf Basis ihrer innovativen Technologie entwickelt Susteen nicht nur verschiedenste Biomasseanwendungen, sondern designt und liefert auch TCR®-Reaktoranlagen.

Über Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS)

Der Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Bereits 1979 haben sich entsorgungspflichtige Körperschaften der Oberpfalz, Niederbayerns und Oberfrankens zusammengeschlossen, um einen Teil der Aufgaben der Abfallwirtschaft gemeinsam zu erfüllen.

Aufgabe des ZMS ist es, den nicht verwertbaren, brennbaren Restmüll thermisch zu behandeln und energetisch zu verwerten.

Insgesamt 17 Verbandsmitglieder umfasst ZMS heute, nämlich die kreisfreien Städte Amberg, Bayreuth, Landshut, Regensburg und Weiden i.d.OPf., die Landkreise Amberg-Sulzbach, Bayreuth, Cham, Kulmbach, Landshut, Neumarkt i.d.OPf., Neustadt a.d.Waldnaab, Regensburg, Schwandorf, Tirschenreuth und die Abfallzweckverbände AZV Stadt und Landkreis Hof und ZAW Straubing Stadt und Land. Verbandsvorsitzender ist der Schwandorfer Landrat Thomas Ebeling.

Das Entsorgungsgebiet erstreckt sich auf eine Fläche von etwa 15.000 km² (das entspricht ca. einem Fünftel der Fläche Bayerns), rund 1.850.000 Einwohner in diesem Gebiet werden über das Müllkraftwerk Schwandorf von Haus-, Sperr- und Gewerbemüll entsorgt.

Die bei der Müllverbrennung im Müllkraftwerk Schwandorf entstehende Energie wird in Form von Dampf, Fernwärme und Strom genutzt. Hochmoderne Rauchgasreinigungsanlagen sorgen dafür, dass die Abfallentsorgung im Müllkraftwerk Schwandorf umweltfreundlich, wirtschaftlich und sicher erfolgt.


Die Teilnehmer des TCR-Pressegespräches von links: Prof. Dr. Markus Brautsch (Geschäftsführer Institut für Energietechnik IfE GmbH), Prof. Dr. Andrea Klug (Präsidentin der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden), Raphael Lechner (Institut für Energietechnik IfE GmbH), Thorsten Hornung (Geschäftsführer Susteen Technologies GmbH), Georg Funk ( Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie), Thomas Knoll (ZMS Verbandsdirektor),und ZMS Verbandsvorsitzender Landrat Thomas Ebeling.